Ingenieurbüro für Qualitätsmanagement
Prof. Dr.-Ing. H.-E. Singer

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Kirchberg

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Ingenieurbüro für Qualitätsmanagement und Umweltprüfung Singer - Kirchberg
Ingenieurbüro für Qualitätsmanagement
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Sicherheitsmanagement und Instandhaltungsmanagement

Sicherheitsmanagement erweitert das Qualitätsmanagement

Risikomanagement

Als Eisenbahnunternehmen und Halter von Fahrzeugen sind Sie gemäß der Richtlinie (EU) 2016/798 zur Sicherheit des Eisenbahnsystems der EU verpflichtet, ein Sicherheitsmanagement-system (SMS) nachzuweisen. Im Rahmen des 4. Eisenbahnpakets wurden damit die bisherige RL 2004/49/EG abgelöst und zahlreiche weitere Verordnungen mit dem Ziel der weiteren Vervollkommnung einer europäischen Eisenbahngesetzgebung in Kraft gesetzt. Hierbei kam es zu einer Neuordnung der Anforderungen an das Sicherheitsmanagementsystem mit einer besseren Einbindung der Verordnungen über gemeinsame Sicherheitsmethoden (CSM) 402/2013/EU „Evaluierung und Bewertung von Risiken“ und 1078/2012/EU „Interne Kontrolle (Monitoring)“.

Die VO (EU) 2018/762 „CSM bzgl. Anforderungen an Sicherheits-managementsysteme“ als quasi zentrales Dokument führt die Anforderungen bisheriger Verordnungen unter einem Dach zusammen und verkörpert den Ansatz für ein integriertes Managementsystem im Eisenbahnsektor. Mit dieser VO ist auch die Aufhebung der VO (EU) 1158/2010 „CSM Konformitätsbewertung Sicherheitsbescheinigung“ und der VO (EU) 1169/2010 „CSM Konformitätsbewertung Sicherheits-genehmigung“ verbunden, wobei eine Frist bis 2025 gilt. Die Anforderungen an das SMS für Eisenbahnunternehmen und Infrastrukturbetreiber sind in Anhang I bzw. in Anhang II der VO (EU) 2018/762 dargestellt. Praktische Festlegungen für eine einheitliche Sicherheitsbescheinigung werden in VO (EU) 2018/763 getroffen.

Das Sicherheitsmanagementsystem ist häufig Bestandteil anderer Managementsysteme, die dazu dienen, die Gesamtleistung der Organisation zu verbessern, die Kosten zu senken und zugleich die Anstrengungen auf allen Ebenen der Organisation zu vereinen, so u.a. der Wortlaut in VO (EU) 2018/762. Und weiter heißt es: „Zu diesem Zweck wird der gemeinsame Rahmen der sogenannten High Level Structure (HLS) der ISO 9001 verwendet, um die in Artikel 9 der RL (EU) 2016/798 genannten Anforderungen an das SMS funktional zu bündeln.“

Allerdings werden dann in den Anhängen I und II nur die Termini der HLS verwendet, nicht aber die einheitliche Gliederung gemäß dem Basisstandard ISO 9001. Insofern ist für Unternehmen, die neben dem eingeführten SMS eine QM-Zertifizierung nach ISO 9001 besitzen oder anstreben, nach wie vor eine Referenzliste erforderlich.

SMS-Kriterien-Referenztabelle - EBA Workshop zum 4. Eisenbahnpaket

Im Zuge der Überführung von VO (EU) 1158/2010 bzw. 1169/2010 in VO (EU) 2018/762 ist darüber hinaus eine weitere Liste notwendig. Im Leitfaden zu SMS-Anforderungen der Europäischen Eisenbahn-agentur (ERA) werden beide Referenzen in einer Tabelle zusammengeführt. Dabei fällt auf, dass einige Gliederungs-punkte der EU-Verordnungen in der ISO-HLS mit NA ge-kennzeichnet sind, obwohl sich die Inhalte dieser Punkte in jedem Falle einem ISO-Kapitel zuordnen lassen. Diese Situation entsteht, weil sich die VO (EU) 2018/762 gliederungsmäßig nicht an der HLS orientiert.

Unternehmen, die bereits ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) nach ISO 9001 eingeführt haben, können jedoch mit dem dabei erworbenen Know How alle SMS-Anforderungen ohne größeren Aufwand in den vorhandenen ISO-Gliederungsrahmen im Sinne eines Integrierten Managementsystems einbringen.

Integriertes Managementsystem als ganzheitliches Konzept schafft Transparenz und Vertrauen

Ein nachgewiesenes (zertifiziertes) Qualitätsmanagementsystem, in das auch die Anforderungen an die Eisenbahnsicherheit integriert sind, ist für die Kunden eine „vertrauensbildende Maßnahme“, ergibt gegenüber Mitbewerbern u. U. einen Marktvorteil und bewirkt eine gute Ausgangsposition gegenüber der beaufsichtigenden Sicherheitsbehörde.

Gemäß den Vorgaben in Richtlinie (EU) 2016/798 zur Sicherheit des Eisenbahnsystems werden per VO (EU) 2018/762 die branchenspezifischen Anforderungen in ein integriertes Managementsystem für Eisenbahnunternehmen bzw. Infrastrukturbetreiber überführt. Das betrifft die bisherigen Verordnungen zur Erteilung von Sicherheitsbescheinigung und Sicherheitsgenehmigung VO (EU) 1158/2010 bzw. 1169/2010, die DVO (EU) 402/2013 zur Risikoevaluierung und –bewertung sowie die VO (EU) 1078/2012 zur internen Kontrolle.

Die beiden letzteren Verordnungen konkretisieren z.B. die ISO 9001 - Anforderungen zum Umgang mit Risiken bzw. ergänzen die Anforderungen an die Managementbewertung und das interne Audit. Hinweise für zu beachtende Schwerpunkte bei der internen Bewertung ergeben sich auch aus der VO (EU) 2018/761, CSM für die (nachgelagerte, externe) Überwachung durch die Sicherheitsbehörde.

Wir unterstützen Sie dabei, die zusätzlichen SMS-Anforderungen an der richtigen Stelle Ihres vorhandenen QM-Systems ergänzend zu berücksichtigen und dieses zu einem Sicherheits- und Qualitätsmanagementsystem (SQMS) weiter zu entwickeln und geben auch Hilfestellung, wenn Sie damit noch ganz am Anfang stehen.

Einbindung des Instandhaltungsmanagements mit Synergieeffekten

Halter von Eisenbahnfahrzeugen sind für die Instandhaltung jedes ihrer Fahrzeuge zuständig, müssen laut Richtlinie 2008/110/EG eine für die Instandhaltung zuständige Stelle benennen (Entity in Charge of Maintenance – ECM) und unterliegen laut Allgemeinem Eisenbahngesetz (AEG) der Eisenbahnaufsicht durch den Bund.

Instandhaltung Güterwagen

Mit der Durchführungs-verordnung (EU) 2019/779 gilt seit 16. Mai 2019 ein System zur Zertifizierung der für die Instandhaltung von Fahrzeugen zuständigen Stellen gemäß Richtlinie (EU) 2016/798. Damit verbunden ist per 16. Juni 2020 die Aufhebung der Verordnung (EU) 445/2011, welche bisher allein die Zertifizierung von ECM für Güterwagen regelte. Somit existiert ein Zertifizierungssystem für alle Arten von Fahrzeugen, darunter auch Güterwagen. Entsprechend den bisher ausgestellten Bescheinigungen und Nachweisen benennt Artikel 15 der neuen Verordnung zahlreiche Übergangsbestimmungen mit Stichtagen.

Eine Zertifizierung der ECM ist lt. Artikel 3 der Verordnung (EU) 2019/779 vorgeschrieben für Organisationen, die Güterwagen instand halten und Organisationen, die kein EVU oder EIU sind und Fahrzeuge ausschließlich für den eigenen Betrieb instand halten. Jede für die Instandhaltung anderer als die genannten Fahrzeuge zuständige Stelle kann eine Zertifizierung beantragen.

Eine freiwillige Zertifizierung ist auch möglich für untervergebene Instandhaltungsfunktionen nach Artikel 14 Absatz 3 b bis d, wobei die Managementfunktion durch eine zertifizierte ECM wahrgenommen wird.

Alle für die Instandhaltung zuständigen Stellen müssen die Anforderungen des Anhangs II der neuen Verordnung erfüllen. Deren Erfüllung wird entweder durch die Zertifizierung oder über das Verfahren zur Erteilung der Sicherheitsbescheinigung für ein EVU oder über das Verfahren zur Erteilung der Sicherheitsgenehmigung für ein EIU nachgewiesen.

Laut Artikel 14 Absatz 2 der Richtlinie (EU) 2016/798 stellt die für die Instandhaltung zuständige Stelle sicher, dass die Fahrzeuge, für deren Instandhaltung sie zuständig ist, in einem sicheren Betriebszustand sind. Um mit Änderungen bei Ausrüstung, Verfahren, Organisation, Personalausstattung oder Schnittstellen umgehen zu können, müssen die ECM die in den CSM festgelegten erforderlichen Methoden für die Evaluierung und Bewertung von Risiken anwenden, Maßnahmen zur Risikobegrenzung ergreifen und hierzu die CSM für die Überwachung anwenden.

In diesem Kontext verweist Artikel 4 der Verordnung (EU) 2019/779 zur Verbesserung des Risikomanagements auf das Management sicherheitskritischer Bauteile, die vom Fahrzeughersteller in Verbindung mit spezifischen Instandhaltungsanweisungen zu benennen sind, sowie auf Kommunikationserfordernisse zwischen den für die Instandhaltung zuständigen Stellen, Fahrzeughersteller und Bahnsektor bezüglich unerwarteter sicherheitsrelevanter Erkenntnisse.

Die CSM für die Evaluierung und Bewertung von Risiken im Instandhaltungssystem sind Gegenstand der Durchführungsverordnung (EU) 402/2013, welche bereits Bestandteil Ihres Sicherheitsmanagementsystems ist und auf die jeweils ausgeübte(n) Teilfunktion(en) anzuwenden ist.

Wenn Sie z.B. als Fahrzeughalter Ihre Güterwagen in der eigenen Werkstatt instand halten, also die Instandhaltungserbringungsfunktion als Teilfunktion selbst ausüben, und die anderen Funktionen von einer externen ECM wahrnehmen lassen, können Sie gemäß (EU) 2019/779 Anhang II Punkt IV die Vorgaben zu „Anforderungen und Bewertung für die Instandhaltungserbringungsfunktion“ ohne größeren Aufwand in Ihr vorhandenes Managementsystem integrieren.

Wir unterstützen Sie gerne bei diesem oder anderen Vorhaben.

Quelle: https://umweltpruefungen.de/Sicherheitsmanagement_und_Instandhaltungsmanagement

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